Schriftlizenzen verstehen – was darfst du mit einer Schrift machen?
OFL, Desktop-, Web- und App-Lizenz, „nur privat“: verständlich erklärt, was Schriftlizenzen erlauben und worauf du bei Logos achten solltest.
Eine Schrift zu erkennen ist der erste Schritt. Der zweite ist die Frage: Darf ich sie für mein Projekt verwenden? Denn eine Schrift ist Software, und für Software gilt eine Lizenz. Dieser Überblick erklärt die wichtigsten Begriffe.
Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist immer der Lizenztext, der mit der Schrift geliefert wird.
Freie Lizenzen
SIL Open Font License (OFL)
Die meisten Schriften bei Google Fonts stehen unter der OFL. Sie erlaubt dir, die Schrift kostenlos zu verwenden – privat und kommerziell, gedruckt, im Web, in Apps und in Logos. Du darfst sie sogar verändern. Nicht erlaubt ist nur, die Schriftdatei allein zu verkaufen.
Apache License und andere offene Lizenzen
Einige ältere Google-Fonts-Schriften stehen unter der Apache License 2.0. Für die praktische Nutzung macht das kaum einen Unterschied: Auch hier ist der kommerzielle Einsatz erlaubt.
Fontshare Free Font License
Die Schriften von Fontshare, einem Angebot der Indian Type Foundry, sind für private und kommerzielle Projekte kostenlos. Lies vor dem Einsatz trotzdem kurz die Bedingungen auf der jeweiligen Schriftseite.
Kommerzielle Lizenzen
Kaufschriften werden nicht einmal für alles bezahlt, sondern pro Verwendungsart lizenziert. Die gängigen Varianten:
| Lizenz | Wofür | Typische Abrechnung |
|---|---|---|
| Desktop | Installation auf Rechnern, Druck, Grafiken, PDFs | pro Arbeitsplatz |
| Web | Einbindung als Webfont auf einer Website | nach Seitenaufrufen pro Monat |
| App | Einbettung in eine Smartphone- oder Desktop-App | pro App |
| E-Book | Einbettung in E-Books | pro Titel |
| Server / Broadcast | Videos, TV, automatisch erzeugte Dokumente | individuell |
Eine Desktop-Lizenz deckt also nicht die Einbindung auf deiner Website ab. Wer eine Schrift fürs Corporate Design kauft, braucht meist mehrere Lizenzen.
„Nur für den privaten Gebrauch“
Auf vielen Download-Portalen findest du Schriften mit dem Hinweis free for personal use. Für Einladungen, Geburtstagskarten und private Projekte ist das in Ordnung. Sobald du damit Geld verdienst oder ein Unternehmen vertrittst – Flyer für den Verein mit Sponsoren, Produktetiketten, Social Media eines Shops –, brauchst du eine kommerzielle Lizenz.
Schrift im Logo: worauf du achten solltest
- Mit einer OFL-Schrift darfst du ein Logo gestalten und es auch als Marke anmelden. Die Schrift selbst bleibt aber frei – andere dürfen sie weiterhin verwenden.
- Bei Kaufschriften erlauben die meisten Desktop-Lizenzen Logos. Manche Hersteller verlangen dafür jedoch eine Zusatzlizenz. Ein Blick in den Lizenztext lohnt sich.
- Wird der Schriftzug in Pfade umgewandelt, ist die Schrift im fertigen Logo nicht mehr enthalten. Die Lizenz brauchst du trotzdem – für die Gestaltung.
Systemschriften
Schriften wie Arial, Segoe UI oder Calibri werden mit dem Betriebssystem ausgeliefert. Für Dokumente, die du auf deinem Rechner erstellst, kannst du sie verwenden. Als Webfont auf einem Server ablegen oder in eine App einbauen darfst du die Dateien in der Regel nicht.
Webfonts und Datenschutz
Lädt deine Website Schriften direkt von den Servern von Google, wird dabei die IP-Adresse deiner Besucher übertragen. Das Landgericht München hat 2022 entschieden, dass dies ohne Einwilligung gegen die DSGVO verstößt. Die einfache Lösung: die Schriftdateien selbst hosten. Das erlaubt die OFL ausdrücklich.
So prüfst du eine unbekannte Schrift
- Schrift bestimmen – zum Beispiel mit Schriftart erkennen.
- Auf der Schriftseite im Katalog nachsehen, ob sie kostenlos oder kommerziell ist.
- Bei Kaufschriften die Lizenz beim Hersteller prüfen oder eine kostenlose Alternative wählen.